Zunächst fällt es Dir wahrscheinlich beim Laufen in der Wohnung auf: Ein rhythmisches Klackern bei jedem Schritt Deines Hundes auf dem Laminat, Parkett oder Fliesenboden. Dieses Geräusch ist das deutlichste Warnsignal dafür, dass die Krallen Deines Vierbeiners zu lang sind. Zu lange Krallen sind jedoch weitaus mehr als ein kosmetisches Problem oder ein lästiger Störfaktor. Wenn sie ignoriert werden, gefährden sie die Gesundheit Deines Hundes. Wie Du die Pfoten Deines Lieblings richtig pflegst und die Krallen stress- sowie schmerzfrei kürzt, erfährst Du hier.

Warum zu lange Krallen krank machen
Im Gegensatz zu unseren Fingernägeln berühren gesund gekürzte Hundekrallen den Boden im Stehen nicht. Sind sie jedoch zu lang, setzen sie bei jedem Schritt auf dem harten Boden auf. Dadurch wird die gesamte Kralle bei jedem Auftreten schmerzhaft in das Gelenk zurückgedrückt.
Um diesem permanenten Druckschmerz auszuweichen, verändert der Hund seine natürliche Stand- und Fußhaltung. Diese unnatürliche Schonhaltung führt über die Gelenkkette unweigerlich zu chronischen Verspannungen, Muskelverhärtungen und schmerzhaften Fehlstellungen der Zehen, die langfristig schwere Arthrose im gesamten Bewegungsapparat auslösen können. Zudem steigt die Gefahr, dass der Hund mit zu langen Krallen im Unterholz hängenbleibt und sich die Hornkapsel schmerzhaft abreißt.
Wie oft müssen Hundekrallen geschnitten werden?
Wie schnell Hundekrallen wachsen und sich abnutzen, ist von Tier zu Tier völlig verschieden. Hunde, die viel auf Asphalt oder harten Böden laufen, nutzen ihre Krallen meist ganz natürlich ab. Hunde, die überwiegend auf weichem Waldboden, Wiesen oder Sand unterwegs sind, sowie sehr leichte Hunderassen benötigen hingegen regelmäßige manuelle Hilfe. Als Faustregel gilt: Steht Dein Hund flach auf dem Boden und Du kannst kein Blatt Papier mehr mühelos unter die Krallen schieben, ist es Zeit für die Pediküre. Bei den meisten Hunden ist eine Kontrolle und ein eventuelles Kürzen alle drei bis vier Wochen ideal.
Die Anatomie der Hundekralle: Vorsicht vor dem „Leben“
Im Inneren der Hundekralle verlaufen Blutgefäße und hochempfindliche Nervenbahnen – in der Fachsprache und unter Züchtern auch als „das Leben“ (oder englisch Quick) bezeichnet. Schneidest Du zu weit hinten ab und triffst dieses Gewebe, verursacht das Deinem Hund heftige, stechende Schmerzen und führt zu einer stark blutenden Wunde.
Die biologische Wachstums-Regel: Je länger eine Hundekralle ungeschnitten wächst, desto weiter dehnt sich auch das Leben im Inneren in Richtung Krallenspitze aus. Bei stark überwachsenen Krallen darfst Du daher niemals viel auf einmal abschneiden. Kürze stattdessen alle zwei Wochen winzige Millimeterstücke ab. Das signalisiert dem Körper, dass die Kralle kürzer wird, woraufhin sich das Leben im Inneren der Kralle nach und nach wieder zurückzieht.
Praktische Anleitung: Krallen schneiden Schritt für Schritt
Mit der richtigen Vorbereitung und Ruhe verliert das Krallenschneiden schnell seinen Schrecken:
- Das richtige Werkzeug: Verwende ausschließlich scharfe, spezielle Krallenzangen oder Krallenschneider für Hunde. Stumpfe Scheren quetschen das Horn schmerzhaft zusammen, statt es sauber zu trennen. Für sehr ängstliche Hunde oder zur Nachbearbeitung eignet sich ein elektrischer Krallenschleifer hervorragend.
- Die Sichtprüfung bei hellen Krallen: Besitzt Dein Hund helle, transparente Krallen, kannst Du das rosa durchschimmernde Leben im Inneren meist sehr gut mit bloßem Auge erkennen. Halte beim Schneiden immer einen Sicherheitsabstand von mindestens 1 bis 2 Millimetern vor diesem rosa Bereich ein.
- Das Zwiebel-Prinzip bei dunklen Krallen: Bei schwarzen Krallen ist das Leben von außen unsichtbar. Leuchte die Kralle mit einer starken Taschenlampe von hinten an. Bleibt sie undurchsichtig, knipse immer nur hauchdünne Scheiben ab. Schaue nach jedem Schnitt von vorne auf die Schnittfläche: Sobald im Zentrum ein kleiner, grauer oder feuchter Punkt sichtbar wird, musst Du sofort aufhören. Hier beginnt das empfindliche Leben.
- Der Winkel entscheidet: Schneide die Kralle immer im natürlichen Verlauf von oben schräg nach unten ab (ca. 45-Grad-Winkel), um die anatomische Form zu erhalten.
Erste Hilfe: Was tun, wenn es blutet?
Solltest Du doch einmal das Leben verletzt haben, bewahre Ruhe. Die Blutung an den Krallen sieht meist dramatischer aus, als sie ist. Beruhige Deinen Hund und drücke die blutende Kralle für einige Minuten fest auf ein spezielles Blutstiller-Pulver (Alaunstift/Clotting Powder). Alternativ kannst Du die Kralle fest in ein Stück feuchte Kernseife oder in etwas Speisestärke drücken – dies verschließt das verletzte Blutgefäß mechanisch und stoppt die Blutung sofort.
Gewöhnung und positives Training
Wenn Dein Hund die Pfotenpflege verabscheut, erzwinge nichts. Baue das Training kleinschrittig über positive Bestärkung auf: Berühre am ersten Tag nur kurz die Pfote und belohne Deinen Hund sofort mit einem absolut hochwertigen Lieblings-Snack. Steigere das Training in den Folgetagen: Berühre die Krallen mit der Schere, ohne zu schneiden. Knipse am nächsten Tag nur eine einzige Kralle. Verknüpfe die Pflege immer mit Entspannung und hochwertigen Belohnungen, damit Dein Hund lernt, dass ihm keine Gefahr droht.
Fazit
Regelmäßiges Krallenschneiden ist ein unverzichtbarer Teil der Gesunderhaltung Deines Hundes. Mit einer scharfen Krallenzange, gutem Licht, dem Wissen um das empfindliche Innenleben der Kralle und einer großen Portion Geduld beim Training wird die Pfotenpflege schnell zu einer entspannten Routine, die Fehlstellungen im Bewegungsapparat wirksam vorbeugt.